„Es kann nicht wahr sein, dass wir Impftermine ungenutzt lassen“

„Es kann nicht wahr sein, dass wir Impftermine ungenutzt lassen“

Irgendwie ist der Wurm drin: Erst gab es viel zu wenig Corona-Impfstoff, jetzt bleibt er zum Teil im Lager liegen. Wie bekommt Deutschland mehr Tempo in seine Impfkampagne?

Im brandenburgischen Kyritz rund 100 Kilometer nordwestlich von Berlin hatten sie in der vergangenen Woche ein Problem: Im Impfzentrum gab es zu viel Corona-Impfstoff. Die Verantwortlichen setzten einen Hilferuf ab, denn es wollten sich viel weniger Menschen impfen lassen, als es Impfstoff gegeben hätte, insbesondere von Astrazeneca. Allein am Donnerstag seien von 280 Impfterminen nur 53 besetzt gewesen, sagte Landrat Ralf Reinhardt.

Also wurde kurzfristig umdisponiert: Verwaltungsmitarbeiter, Feuerwehrleute und Erzieherinnen bekamen einen Schuss Astrazeneca angeboten. Obwohl sie in der deutschen Impfpriorisierung noch nicht an der Reihe gewesen wären. Landrat Reinhardt sagte: „Es soll Impfstoff nicht im Lager stehen, es soll Impfstoff wirken und auch Schutz entfalten.“ Berichte wie diesen aus Brandenburg gab es in den vergangenen Tagen aus mehreren deutschen Kommunen. Der Astrazeneca-Impfstoff scheint so unbeliebt zu sein, dass es derzeit zum Teil schwierig ist, genügend Impfwillige zu finden.

Die Kritik wächst. „Dass in Impfzentren offenbar Tausende Impfdosen von Astrazeneca unberührt lagern, dürfen wir nicht akzeptieren“, sagte der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß t-online. Den gesundheitspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Andrew Ullmann, macht die Situation „unfassbar wütend“: „Es kann einfach schlicht nicht wahr sein, dass wir Impftermine ungenutzt verstreichen lassen.“

Reservelisten für Impfwillige

Um den Impfstoff schneller aus den Lagern zu den Menschen zu bekommen, sind zwei Wege denkbar: Man kann versuchen, die Organisation zu verbessern. Oder man kann den Kreis der Impfberechtigten schneller ausweiten als bisher vorgesehen. Sabine Dittmar, Ärztin und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, setzt wie andere vor allem auf eine bessere Organisation. Sie glaubt, „dass es in den jeweiligen Priorisierungsgruppen genügend Impfwillige gibt“. Gleichwohl sei es ein „Ärgernis, dass die Impfungen teilweise sehr schleppend verlaufen“, sagte Dittmar. Die SPD-Politikerin weist darauf hin, dass es neben den Berichten über Termine, die mancherorts wegen zu geringer Nachfrage verfallen, auch immer noch Berichte gäbe von Menschen, die keinen Termin bekommen. So oder so müsse man jetzt „dringend nachsteuern“.

Dittmar spricht sich deshalb dafür aus, die Informationspolitik zu verbessern, ohne die Impfreihenfolge aufzuweichen: „Es sollte überall Reservelisten mit genügend Impfwilligen geben, die schnell über freie Termine informiert werden könnten.“ Auch FDP-Gesundheitspolitiker Ullmann ist für solche Listen mit Impfwilligen. „Denen kann dann unmittelbar eine SMS geschickt werden“, sagte er t-online. „Die technische Umsetzung eines solchen Systems ist ein Klacks. Ich frage mich allen Ernstes: Warum soll das so schwer sein?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.